„Hainburg wird Hochschulstandort“ – unter diesem Motto haben die Stadtgemeinde Hainburg und der Projektentwickler Eduard Halmschlager (KA Real Estate) am Mittwoch zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung rund um den Europacampus eingeladen.
Rund 20 Expertinnen und Experten standen bereit, um das Projekt anhand von Visualisierungen und Plänen zu präsentieren und Fragen der Bürgerinnen und Bürger im persönlichen Gespräch zu beantworten – von geplanten Forschungs- und Lehrinhalten der Hochschulen über Architektur und Grünraumkonzept bis hin zum geplanten Mobilitätskonzept.
Bildung als Entwicklungsmotor
„Für Hainburg ist der Europacampus ein echter Gewinn. Mit gleich zwei besonders renommierten Hochschulen mitten im Herzen unserer Stadt werden wir zu einem echten Forschungs- und Innovations-Hub.“, freut sich Johannes Gumprecht, Bürgermeister von Hainburg. Bildung sei bekanntermaßen eine der wichtigsten Grundlagen für Wachstum und Wohlstand. Durch die Belebung des ehemaligen Kasernen-Areals entstehe ein massiver Mehrwert für die nachhaltige Weiterentwicklung Hainburgs. „Die Entwicklung der Baulücke zu einem Bildungscampus mit durchmischter Nutzung stärkt die Gemeinde wesentlich als eigenständigen Wirtschaftsstandort und fördert gezielt Betriebsansiedelungen.“, so Gumprecht.
„Wir freuen uns, dem Standort Hainburg mit dem Europacampus neue wirtschaftliche Impulse geben zu können. Gerade kleine Städte können von Bildung und Forschung massiv profitieren“, so Eduard Halmschlager, Grundstückseigentümer und Projektentwickler. Zudem sei es ein Gewinn, das ehemalige Areal der Marc-Aurel-Kaserne zukünftig für alle öffnen zu können. Denn neben dem Hör- und Lehrsaalzentrum sei ein neues Viertel mit gemischter Nutzung geplant, zu dem auch private Arbeitsplätze in Laboren, ein begrünter Boulevard als Flaniermeile und Gastronomie in den historischen Gebäuden der Kaserne gehören.
Projektentwickler Eduard Halmschlager (KA Real Estate GmbH) und Bürgermeister Gumprecht begrüßten gemeinsam die Gäste und eröffneten die Veranstaltung
Hainburg als internationales Zentrum für Grüne Technologien und Smart Innovation
Auf besonderes Interesse stießen die Pläne rund um Österreichs ersten Multi-University-Campus, der das Beste aus vielen wissenschaftlichen Welten - Universitäten und Forschungseinrichtungen unterschiedlicher Typen und Kulturen vereint: „Die University of Applied Sciences St. Pölten wird internationale Bachelor- und Masterstudiengänge für rund 500 Studierende in den Bereichen Grüne Technologien und Smart Innovation anbieten. Als europäischer Pioniercampus sind wir dabei eng in die Expertise und Innovationskraft der E³UDRES²-Allianz eingebunden.“, so Franz Fidler, Head of Faculty Engineering and Business der University of Applied Sciences St. Pölten sowie Projektleiter des Europacampus Hainburg.
Die Technische Universität Wien wird mit den Fakultäten Technische Chemie, Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen sowie Informatik rund 100 Forschungsplätze zu den Zukunftsthemen nachhaltige Energiespeicherung, grüne Chemie, Wasserstofftechnologie und KI in der Umwelttechnik anbieten. „Der Standort in Hainburg ist für die TU Wien ideal. Die örtlichen Gegebenheiten bieten die richtigen Konditionen für unsere hochspezialisierten Labore und Messgeräte. Die Nähe zu Wien, Bratislava und anderen großen europäischen Städten passt perfekt zu unserer internationalen Ausrichtung und bestehenden Kooperationen. Wissenschaft auf höchstem Niveau findet so die besten Voraussetzungen.“, erklärt Herbert Kreuzeder, Leiter PR und Marketing der Technischen Universität Wien.
Das Team der University of Applied Sciences St. Pölten (USTP) und der technischen Universität Wien (TU Wien) gaben Auskunft über geplante Studiengänge und Forschungsschwerpunkte
Rücksichtsvolle Architektur und klimafitte Grünanlagen
Das Architekturbüro der renommierten Hainburger Architektin Olivia Stein war vor Ort und gab exklusive Einblicke in die Entwürfe und 3D-Modelle. Mit besonderer Rücksicht auf die sensible Einbettung ins Stadtbild und inspiriert von der bestehenden historischen Architektur verbindet das Architekturbüro das Beste aus Alt und Neu. „Die Gebäude werden höhenmäßig gestaffelt und kleinteilig gegliedert, die Sichtachsen zwischen Altstadt und Schlossberg bleiben erhalten. Helle, rötliche, bräunliche und graugrüne Farbtöne mit Bezug zu Stadtmauer und heimischem Kalkstein fügen sich harmonisch ins historische Stadtbild perfekt ein,“ so Architektin Leonie Armeanu. So kann dem Areal, auf dem bis in die späten 1960er-Jahre noch das „Neue Schloss“ stand und das seitdem als Baulücke brach liegt, neues Leben eingehaucht werden.
Edith Nowak von land.und.wasser, dem Ingenieurbüro der Betriebsgesellschaft Marchfeldkanal präsentierte das Grünraumkonzept. „Der durchgrünte Campus punktet mit standortheimischen und klimafitten Bepflanzungen. Blühflächen, Kräuterrasen, Bäume, Sträucher, Stauden sowie Fassaden- und Dachbegrünung tragen zur Nachhaltigkeit des Projektes bei und schaffen einen angenehmen Aufenthaltsraum. So bietet das oberirdisch autofreie Areal schattige Räume im Grünen und Plätze zum Verweilen. Eine Vielzahl an Bäumen trägt zur Kühlung an heißen Sommertagen bei,“ so Nowak.
Lob gibt es auch vom Bundesdenkmalamt, welches das Projekt seit mehr als sechs Jahren laufend begleitet und die bereits abgeschlossenen archäologischen Untersuchungen durchführte. „Die vorgestellten Widmungen sind ebenso wie eine angedachte Öffnung für ein breites Publikum positiv zu beurteilen, weil dadurch die am Gelände befindlichen Baudenkmale besser zugänglich werden.“, so lautet die positive Bilanz von DDr. Schicht, Landeskonservator Niederösterreich und Leiter des BDA.
DI Edith Nowak gab Infos zum klimafitten Grünraumkonzept, Architektin Leonie Armeanu (Olivia Stein Architektur ZT GmbH) und Robert Steiner (Generalplaner Swietelsky AG) geben Einblicke in die Pläne und 3D-Modelle
Positive Effekte für Ortsentwicklung
Neben dem Bürgermeister und den Stadträten waren auch die Leiterin des Bauamtes Michaela Edlinger und der örtliche Raumplaner Armin Haderer vor Ort, um Fragen rund um Ortsentwicklung und Verkehr zu beantworten. Vor allem das Thema Verkehr war vielen Bürgern ein Anliegen. Der oberirdisch autofreie Campus wurde mit einem „Mobility Hub“ an der Hummelstraße mit Tiefgarage, Fahrrad-Stellplätzen und öffentlichen E-Ladestellen vorgestellt. Insgesamt zeichnet sich das Projekt durch kurze Wege zu Stadtzentrum, Bahnhöfen, Einkaufsmöglichkeiten, Gastronomie und Naturraum aus, ebenso durch die gute öffentliche Anbindung über die S7 bzw. den Busverkehr Richtung Wien und Bratislava.
Die Stadtgemeinde bereitet aktuell gemeinsam mit den Fachexperten von Drees & Sommer Österreich die Erstellung eines gesamtheitlichen Mobiliätskonzeptes vor. Drees & Sommer übernimmt dabei die Projektkoordination und begleitet den Prozess. Mithilfe von fachlich qualifizierten Verkehrsplanern sollen Knotenpunkte wie die Hummelstraße neue Lösungen bekommen.
Dabei geht es nicht nur um eine Verbesserung für den Autoverkehr, sondern um ein integriertes Gesamtkonzept inklusive Parkraumbewirtschaftung, öffentlichen Angeboten wie Bus-, Fahrrad- und Fußgängerwegen und weiteren Maßnahmen. Fragen gab es auch rundum das Thema Grünraum und die allgemeine Ortsentwicklung. „Mit dem vorliegenden Projekt schaffen wir es, naturnahe Räume zu erhalten, den Bestand zu sichern und gleichzeitig das leerstehende Kasernenareal mit einer neuen Nutzung zu öffnen. Das Natura2000-Gebiet bleibt nicht nur unberührt, sondern der Grünraum-Schutz wurde sogar gestärkt.“, so Bürgermeister Gumprecht. So wurden im Zuge der Umwidmung des Areals große Teile des Grundstückes von „Bauland Sondergebiet – Kaserne“ auf „Grünraum-Park“ rückgewidmet. Der Exerzierplatz, weiterhin Privatbesitz des Eigentümers KA Real Estate, ist unverändert als Grünraum-Sportfläche gewidmet.
Bürgermeister Gumprecht, Bauamtleiterin Michaela Edlinger und Raumplaner Armin Haderer standen für Fragen der Bevölkerung bereit
Fazit
Mehr als 200 Hainburgerinnen und Hainburger nahmen die Gelegenheit zum Austausch war. Die Informationsveranstaltung zeigte das große Interesse der Bevölkerung am Europacampus Hainburg und bot Gelegenheit, zentrale Fragen zu Bildung, Stadtentwicklung, Grünraum und Mobilität direkt mit den Projektverantwortlichen zu besprechen.
Plakate der Veranstaltung zum Download